Dem Medienkonzern Walt Disney droht in den USA eine Sammelklage mit ungeahnten Konsequenzen. Der Grund der Klage: rund 40 Disney Apps würden die Nutzung durch die vornehmlich für Kinder gemachten Spiele tracken. Mit den gesammelten Daten würden dann speziell an Kinder gerichtete Werbung geschaltet. Damit verstöße Disney gegen ein US-Gesetz, das Kinder im Internet schützt. Disney selbst bestreitet die Vorwürfe vehement.

Disney und Partnerfirmen würden mit ihren rund 40 Apps gegen ein aus dem Jahr 1998 stammendes Gesetz verstoßen. Dieses regelt den Schutz der Privatsphäre von Kindern unter 13 Jahren im Internet. Durch die Erhebung von Nutzerdaten ohne Einwilligung der Eltern würde Disney gegen dieses Gesetz verstoßen, so die Kläger. Ihnen zufolge sind Tracker in den Apps eingebaut, die allerlei Informationen sammeln, darunter etwa den Standort oder den Browserverlauf. Diese Daten verkaufe Disney dann an Partnerfirmen für Werbezwecke.

Vehement bestreitet Disney diese Vorwürfe und wendete sich an die Washington Post. Dort teilte das Unternehmen in einer Stellungnahme mit, dass man sich an das geltende Gesetz halte und die Klage auf ein Missverständnis des Gesetzes durch die Kläger beruhe. Man werde sich auch vor Gericht gegen die Anschuldigungen zur Wehr setzen.

Was sollen nun Eltern von dieser Nachricht halten? Überschreitet Disney die Grenzen und sammelt zu Unrecht Daten von Kindern unter 13 Jahren? Schließlich sind Disney App vor allem bei Kindern beliebt, die kein Verständnis von Datenschutz oder Privatsphäre im Netz haben. Die beliebteste Disney App mit rund 100 bis 500 Millionen Downloads ist „Wo ist mein Wasser 2“. Und die anderen 40 Apps haben jeweils Downloadzahlen zwischen einer und fünf Millionen. Der erste Schritt wäre wohl die Berechtigungen der Disney Apps aufs Minimalste zu beschränken. Den Standort des Kindes muss die App wirklich nicht wissen, um spielen zu können. Die andere Alternative: erst gar keine Disney Apps installieren. Dann aber schließt sich die Frage an, ob andere Hersteller von Apps für Kinder gewissenhafter arbeiten oder nicht.

Nicht zum ersten Mal wird Disney ein Verstoß gegen das Kinderschutzgesetz vorgeworfen. Bereits in 2011 wurde die Disney-Tochter Playcom mit einer Gelbuße in Höhe von drei Millionen Dollar belegt. Der Grund: das Sammeln von persönlichen Daten wie Mail-Adressen, Alter, Namen und Standorte. Man merkt also, dass selbst große Player nicht immer nach den Regeln spielen. Es bleibt abzuwarten, was aus dem Gerichtsverfahren herauskommt. Was man aber immer im Hinterkopf behalten sollte: einer App so wenige Berechtigungen wie möglich gewähren.

Bild: goodereader.com